Zweitbild
Die beste Metapher für die Arbeiten von Nicolas H Muller ist sicherlich das Kino. Nicht aus der Perspektive des Zuschauers, sondern aus jener des Regisseurs. In einer Ausstellung von Nicolas H Muller kann man sich frei bewegen, hier können sich, sozusagen im Schnellvorlauf, ganze Szenen können in Sekundenschnelle abspielen, und das in nur einem einzigen Bild.
Was man zuerst in seinen Ausstellungen wahrnimmt sind Zweitbilder, Tarnung und Second-Hand, aber das ist nur ein erster Einstieg. Blickt man jenseits der Verweise ein zweites Mal hin, sieht man dass es tatsächlich um den Ausstellungsraum als Medium geht. Ob sublimiertes Bild oder Rückstande, das Ziel ist dasselbe: jenseits des bewussten Erlebens soll etwas von großer Tiefenwirkung erreicht werden, das zur Quelle wird aus der man schöpft – weil es plastisch vermittelt wird, weil der Betrachter in einen anderen Raum versetzt wird – ein notwendige Auseinandersetzung.
Manchmal, in Zeitlupe, verlängert sich das Bild so sehr, dass es einen ganzen Film oder sogar die gesamte Filmgeschichte repräsentieren kann. Ein so langes Bild, ein Bild/Monat oder besser gesagt ein Bild/Ich, das zu räumlichen und persönlichen Verschiebungen führt, weil diese Differentialschicht von Kultursedimenten und unsere Verbindung mit ihnen Wirkung zeigt. Die Werke tun ihre Wirkung im Ausstellungsraum, gehängt oder als Installation, wo die Selbstbeziehung das Entscheidende ist.
Julien Bouillon