Rappelle moi de m’en souvenir german

Erinnere mich daran, mich zu erinnern

Die Arbeiten von Nicolas H Muller beginnen oft wie ein Cluedo Spiel. Ein mysteriöser auf einer Wand zurückgebliebener Fußabdruck, ein Fragment aus dem Heizsystem das der Künstler im Ausstellungsraum gefunden hat, ein Klumpen Eisen, der an den Berg Bugarach erinnert, etc… Man will diesen Dingen nachgehen, mehr darüber erfahren. Die Frage taucht auf: „Ein Springseil, oder vielleicht ein Garderobenständer?“ Nicolas zieht es aber vor, Verwirrung zu stiften. Er nimmt weg, fügt hinzu, überlagt Bilder und Orte um uns zu zwingen mehr als einmal hinzusehen, auch wenn „die Augen dabei schmerzen“.

Für die „Relatives“ Ausstellung schuf der Künstler ein Replikat einer Wandmalerei die seit einigen Jahren auf einer der Wände der Villa Camelina zu sehen ist (und auf Wunsch des Eigentümers nicht entfernt werden darf) und hängte die Kopie über das Original. Mit dieser Geste verhüllt er das bestehende Werk und verleiht ihm durch die Reproduktion eine neue Aura. Der Werktitel, der Vor- und Nachname des ursprünglichen Malers und das Entstehungsdatum reproduzieren das Geheimnis und verweisen auf die Erinnerungen früherer Besucher. „View from the North’s window of the Villa Cameline“ entstand erneut vor Ort, wobei der Künstler ein kaputtes Fenster durch ein neues ersetzte. Auch das beschädigte Fenster wird auf paradoxe Weise akzentuiert. Eingerahmt und zur Schau gestellt ändert es seinen Status und wird zu einem Werk von geisterhafter Reflektion, Reminiszenz und Nostalgie.

Für Nicolas H Muller ist der Ausstellungsraum ein Spielbrett, ein Medium der Fülle (manchmal auch im spirituellen Sinn). Wenn er ein Ausstellungsmodell in Karton nachbaut (Into the spotlight, 2010), wenn er mit “in a square Marie-Louise” das Straßenschild am Marie-Louise Platz fotografiert (Statement, 2009) oder in Storm Water (2009) ein von Wasser verändertes Brett ausstellt haben wir das Gefühl, den Prozess der «mise en abyme», der Tautologie und Selbstrekursion verstanden zu haben. Aber die Wiederholung erschöpft nie das Bild. „Bildung ist Gedächtnis, und Gedächtnis ist Fantasie“ (Max Jacob, Ratschläge an einen jungen Dichter, 1991).
Erinnere mich daran, mich zu erinnern.

Marie Bechetoille